Erarbeitet wurde das Konzept von der Hydrotec Ingenieurgesellschaft für Wasser und Umwelt mbH. Ziel ist es, konkrete Maßnahmen zu entwickeln, um Überflutungen im Stadtgebiet künftig besser vorzubeugen.
Am 12. Mai präsentierten Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung gemeinsam mit Hydrotec die Ergebnisse im Rahmen eines Informationsabends. Bürgermeister Yannick Steinbach begrüßte rund 100 Rösrather Bürgerinnen und Bürger, die der Einladung gefolgt waren. Anschließend stellte Rebecca Hinsberger von Hydrotec das Handlungskonzept und die vorgesehenen Maßnahmen näher vor.
Grundlage des Konzepts ist eine umfassende Analyse bereits vorliegender Untersuchungen sowie die Auswertung vergangener Starkregenereignisse. Darüber hinaus flossen aktuelle Daten ein – insbesondere die derzeit in Erstellung befindlichen Starkregengefahrenkarten des Rheinisch-Bergischer Kreis.
Auf dieser Basis wurden insgesamt 24 potenzielle bauliche Maßnahmen zur Überflutungsvorsorge identifiziert. Zwölf Maßnahmen befinden sich auf rein privatem Grund, acht auf städtischen Grundstücken und vier auf teils städtischen, teils privaten Flächen. Fünf Maßnahmen hat die Stadt zunächst priorisiert und im Rahmen des Informationsabends näher vorgestellt.
Maßnahme 01: Sülzbogen
Die Schaffung einer Retentionsfläche am Sülzbogen wird bereits seit längerer Zeit geprüft. Inzwischen ist die dafür erforderliche Änderung des Flächennutzungsplans rechtskräftig. Geplant ist eine Rückverlegung des Deichs, um der Sülz im Hochwasserfall mehr Raum zu geben. Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, dass eine solche Maßnahme bei Starkregen Auswirkungen auf die an der Deichlinie angrenzende Bebauung haben kann. Deshalb soll das Vorhaben ganzheitlich geplant werden, damit sowohl im Hochwasser- als auch im Starkregenfall ein bestmöglicher Schutz erreicht wird.
Maßnahme 02: Dammlückenschluss Scharrenbroich
Im Gewerbegebiet Scharrenbroich könnte durch eine bauliche Veränderung der Walter-Arendt-Straße der Anschluss an den bestehenden Damm hergestellt werden. Zusätzlich könnte nördlich der Straße neuer Retentionsraum entstehen, um Wassermengen gezielt zurückzuhalten.
Maßnahme 03: Retentionserhöhung Bleifeld
Am Bleifelder Bach besteht bereits ein natürlicher Rückhalteraum. Dieser soll durch bauliche Maßnahmen erweitert werden, um zu verhindern, dass Wasser zunächst die Bleifelder Straße und anschließend angrenzende Wohngebiete überflutet.
Maßnahme 04: Durchlass Brunsbach
Auch im Bereich des Brunsbacher Wegs bietet sich die Möglichkeit, die ohnehin anstehende Sanierung des bestehenden Durchlassbauwerks mit der Entwicklung von zusätzlichem Retentionsraum zu verbinden. Hinter dem Durchlass befindet sich ein geeigneter Naturraum, der sich gut dafür eignet, Wasser bei Starkregen zwischenspeichern zu können. Diese Gelegenheit kann genutzt werden, um im Rahmen der Sanierungsplanung auch den Wasserrückhalt in der Natur sinnvoll mit zu berücksichtigen und so Wasser im Ernstfall kontrolliert zurückzuhalten.
Maßnahme 05: Bergsegen
Auf der anderen Seite des Parkplatzes Bergsegen könnte ein sogenannter Linienschutz in Form eines Grabens oder Walls entlang der nördlichen Seite der Bleifelder Straße das Wasser von den Hängen zurückhalten und kontrolliert abfließen lassen. Im Rahmen der aktuell laufenden Aufstellung des Bebauungsplans wird der Schutz vor Starkregen von Anfang an mitgedacht. Außerdem wird der Bereich des Knipperbachs betrachtet, um dort zusätzliche Flächen zu finden, die bei starkem Regen Wasser vorübergehend aufnehmen können. So kann das Wasser kontrolliert zurückgehalten werden und die Situation im weiteren Verlauf entlastet werden.
Die Stadtverwaltung verspricht sich von allen fünf Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor Hochwasser und Starkregen und möchte diese daher prioritär weiterverfolgen. Im nächsten Schritt sollen die Maßnahmen vertieft untersucht werden. Ziel ist es, ihre Wirksamkeit nachzuweisen und eine belastbare Grundlage für eine spätere Umsetzung zu schaffen.
„Mit dem Handlungskonzept von Hydrotec haben wir einen greifbaren Maßnahmenkatalog, um den baulichen Überflutungsschutz in Rösrath weiter voranzubringen“, erklärte Bürgermeister Yannick Steinbach. Auch die übrigen 19 Maßnahmen sollen weiterverfolgt werden. So will die Stadtverwaltung unter anderem den Austausch mit den Eigentümerinnen und Eigentümern suchen, auf deren Flächen laut Handlungskonzept ebenfalls eine Umsetzung im Sinne des Überflutungsschutzes möglich wäre.
Bürgermeister Yannick Steinbach versprach: „Wir sehen uns hier wieder!“ – und meint damit weitere Infoabende, wenn es neue Erkenntnisse gibt, aber auch die Beratung in den politischen Gremien, die ebenfalls öffentlich verfolgt werden können.
