Männer und Frauen sind gleichberechtigt. So steht es schwarz auf weiß in Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes. „Dieser Satz ist kein Schmuck, sondern Fundament!“. Mit diesen Worten eröffnete die Rösrather Gleichstellungsbeauftragte Elke Günzel die städtische Veranstaltung in der Bildungswerkstatt von Schloss Eulenbroich anlässlich des Weltfrauentages. Im Mittelpunkt standen hierbei die vier „Mütter des Grundgesetzes“, die nicht lockerließen, bis sie den Gleichberechtigungsgrundsatz im Parlamentarischen Rat durchgesetzt hatten. Eine Ausstellung sowie ein Vortrag beleuchteten das Wirken von Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel. Als einzige weibliche Mitglieder des 65-köpfigen Parlamentarischen Rates trugen sie maßgeblich zur Entstehung des Grundgesetzes bei und setzten sich vehement für die verfassungsrechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern ein.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden außerdem junge Frauen und Mädchen beim Wettbewerb „Engagierte Mädchen“ durch die Dr. Jürgen Rembold Stiftung ausgezeichnet. Sowohl der Vortrag als auch die Preisverleihung stießen auf großes Interesse – die Bildungswerkstatt von Schloss Eulenbroich war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die Aufnahme des Artikels 3 Absatz 2 in das Grundgesetz war kein Selbstläufer. Historikerin und Autorin Karin Feuerstein-Praßer führte anschaulich aus, wie sich die vier „Mütter des Grundgesetzes“ gegen erheblichen männlichen Widerstand durchgesetzt haben. Sie mobilisierten Frauen in der gesamten Gesellschaft, Gewerkschafterinnen, Kommunalpolitikerinnen und Frauenverbände. Waschkörbeweise trafen Briefe von Unterstützerinnen ein und am Ende gaben die 61 Männer im Parlamentarische Rat nach, auch um ihre Wählerinnen nicht zu verprellen. Mit der Aufnahme des Gleichberechtigungsgrundsatzes wurde so dank des Engagements der vier Frauen 1949 der Grundstein für die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau in der Bundesrepublik Deutschland gelegt.
„Doch Papier ist geduldig“, betonte Karin Feuerstein-Praßer. Zwischen dem, was gesetzlich festgeschrieben ist, und der gesellschaftlichen Realität bestehe bis heute ein großer Unterschied. Die Gleichberechtigung von Frauen sei ein mühsamer Weg, der bereits im 19. Jahrhundert begann. Fortschritte seien dabei immer wieder von Rückschlägen begleitet worden. So zeigt etwa eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts Ipsos, die in 29 Ländern durchgeführt wurde, dass sich viele junge Männer heutzutage wieder traditionellere Rollenbilder wünschen. „Die Studie ist nicht nur erschreckend, sondern Beleg dafür, wie wichtig es weiterhin ist, sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern einzusetzen“, so Feuerstein-Praßer.

Ergänzend zum Vortrag ist noch bis zum 15. März 2026 eine themenbezogene Plakatausstellung in der Bildungswerkstatt von Schloss Eulenbroich zu sehen. Auf 17 Plakaten erinnert die Ausstellung nicht nur an das historische Erbe der „Mütter des Grundgesetzes“, sondern zeigt gleichzeitig auf, dass der Einsatz für Gleichstellung weitergeht. Die Ausstellung ist zu den Bürozeiten der Schloss Eulenbroich gGmbH geöffnet.
Musikalisch wurde die Veranstaltung von Ehrenbürgerin und Musikerin Monika Kampmann begleitet. Gemeinsam mit ihrer im vergangenen Jahr verstorbenen Bühnenpartnerin Ingrid Ittel-Fernau hatten beide vor 30 Jahren den Weltfrauentag nach Rösrath geholt, um Themen wie Gleichberechtigung und Frauenrechte auch vor Ort stärker sichtbar zu machen. Ihre Songauswahl orientierte sich daher auch in diesem Jahr am Thema des Vortrags.
Bürgermeister Yannick Steinbach erinnerte in seinem Grußwort an ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2023, das sich mit der gleichen Bezahlung von Frauen und Männern befasste. Demnach kann ein Arbeitgeber eine geringere Bezahlung einer Frau im Vergleich zu einem männlichen Kollegen nicht damit begründen, dass dieser besser verhandelt habe. „Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist keine Verhandlungssache“, betonte Steinbach. Umso mehr freute er sich, Teil der Veranstaltung zu sein und im Anschluss gemeinsam mit der Rembold Stiftung die Preisträgerinnen des Wettbewerbs „Engagierte Mädchen“ ehren zu dürfen.
„Engagierte Mädchen“ ausgezeichnet
Bereits zum fünften Mal haben die Stadt und die Rembold Stiftung die Veranstaltung zum Weltfrauentag genutzt, um junge Frauen und Mädchen für ihr ehrenamtliches Engagement auszuzeichnen. Im Rahmen des Wettbewerbs „Engagierte Mädchen“ gingen in diesem Jahr acht Auszeichnungen an insgesamt elf junge Frauen.
„Es ist wichtig, in einem würdigen und öffentlichkeitswirksamen Rahmen Danke zu sagen und das vielfältige ehrenamtliche Engagement sichtbar zu machen“, hob Dr. Jürgen Rembold hervor. Alle Preisträgerinnen erhielten eine Urkunde sowie ein Preisgeld. Insgesamt wurden in diesem Jahr 1.200 Euro vergeben – so viel wie noch nie.
Zu den Ausgezeichneten gehören Lena Janzen, Paula Vogdt und Mia Reichelt. Als Teil des Schülersprecherteams am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium wurden sie für ihr vielfältiges Engagement im Schulleben geehrt. Sie wirken unter anderem bei der Organisation und Durchführung verschiedener schulischer Veranstaltungen mit. Auch der Weltfrauentag wird am Freiherr-vom-Stein Gymnasium jedes Jahr mit unterschiedlichen Aktionen sichtbar gemacht.
Hope Hoeveler und Victoria Stöcker wurden ebenfalls als Team ausgezeichnet. Beide unterstützen die hauptamtlichen Kräfte bei der Betreuung von Kindern im Rösrather Jugendzentrum JuZe – etwa während der jährlich stattfindenden Zirkuswoche sowie bei Veranstaltungen wie der Karnevals- oder Halloweenparty. Ohne das ehrenamtliche Engagement junger Menschen wären viele dieser Angebote kaum möglich.
Luise Rückamp leitet im Jugendkulturhaus Ufo in Bergisch Gladbach die wöchentlich stattfindende Kochgruppe. Gemeinsam mit einem erwachsenen Co-Leiter plant und organisiert sie die Gerichte, koordiniert die Teilnehmenden und begleitet den gesamten Kochprozess. Neben der Vermittlung praktischer Kochkompetenzen schafft sie damit auch einen Raum für Begegnung, Teilhabe und Gemeinschaft.
Auch Sophia Kolberg wurde ausgezeichnet. Sie ist seit 2019 Mitglied der DLRG-Ortsgruppe Rösrath und unterstützt Kinder zwischen sechs und 15 Jahren bei verschiedenen Kursangeboten – von der Wassergewöhnung über das Anfängerschwimmen bis hin zum Jugendschwimmabzeichen in Gold. Seit Ende 2025 ist sie zudem Vorsitzende des Jugendvorstandes.
Eine weitere Auszeichnung ging an die DLRG-Ortsgruppe Bergisch Gladbach. Anja Eisenberg engagiert sich dort in der Schwimmausbildung und leitet unter anderem Gruppen zur Wassergewöhnung und Wasserbewältigung. Darüber hinaus ist sie in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv und informiert bei Stadtfesten und ähnlichen Veranstaltungen über die Arbeit und Angebote der DLRG.
Paula Twittenhoff engagiert sich im DRK-Ortsverein Rösrath und ist dort Mitglied der Bereitschaft. Seit dem 1. Januar unterstützt sie zudem den Schulsanitätsdienst am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und übernimmt bei verschiedenen Veranstaltungen Sanitätsdienste für den Ortsverein.
Für ihren ehrenamtlichen Einsatz wurde auch Sannah Hermann ausgezeichnet. Sie unterstützt die Übungsleiterinnen und Übungsleiter des Overather Sportvereins „Glück Auf Steinbrück“ bei der Betreuung von Kindergruppen und Schwimmkursen. Darüber hinaus engagiert sie sich seit mehr als zehn Jahren im Tanzverein „Steinenbrücker Schiffermädchen“ – zunächst in der Kinder- und Jugendgruppe, inzwischen auch bei den Erwachsenen.
Der Wettbewerb „Engagierte Mädchen“ wird auch im kommenden Jahr fortgesetzt mit einer Preisverleihung zum Weltfrauentag.
