direkt zum Inhalt springen direkt zur Hauptnavigation

Neugestaltung Sülztalplatz

Planungsbereich
Amtliche Basiskarte: © Geobasisdaten, Vermessungs- und Katasteramt, Rheinisch-Bergischer Kreis, 2021
Luftbild: Geobasisdaten der Kommunen und des Landes NRW © Geobasis NRW, 2021

Im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes (InHK) für den Innenstadtbereich von Rösrath und die nordwestlich angrenzenden Quartiere wurde als eine von insgesamt 18 Maßnahmen die Neugestaltung des zentral gelegenen Sülztalplatzes umgesetzt. Die etwa 2.100m² große umzugestaltende Fläche stellt einen wichtigen innerstädtischen Raum und aufgrund seiner zentralen Lage die gefühlte Stadtmitte dar.

Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Rösrath im Juli 2019 vier Landschaftsplanungsbüros mit der Erarbeitung von Entwürfen zur Neugestaltung des Sülztalplatzes beauftragt.
Am 10.10.2019 fand im Schloss Eulenbroich die „Preisgerichtssitzung“ des Beurteilungsgremiums mit Fachleuten und Vertretern der Politik statt. Unter dem Vorsitz von Frau Prof. Christl Drey, Vorsitzende des „Haus der Architektur Köln“, wurden die eingegangenen Entwürfe in mehreren Rundgängen unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet und eingehend diskutiert.
Der Entwurf der Landschaftsarchitekten „Greenbox“ aus Köln wurde dabei einstimmig als Sieger ausgewählt. Er überzeugte die Teilnehmer des Gremiums sowohl funktionell als auch gestalterisch. Der Entwurf entsprach nicht nur uneingeschränkt den Anforderungen des Auslobungstextes, er griff auch regionaltypische Besonderheiten auf und wirkt somit identitätsstiftend.
Der zentrale Bereich des Platzes ist eine in sich geschlossene Fläche mit hoher Aufenthaltsqualität, eine Art „Platz im Platz“. Aufstellmöglichkeiten für den Wochenmarkt sowie bei Veranstaltungen sind im Gegensatz zum früheren Platz ausreichend vorhanden.
Selbstverständlich handelte es sich bei den eingereichten Unterlagen um einen Entwurf, der weiter zu präzisieren und in einigen Bereichen zu überarbeiten war. Er bildete jedoch eine sehr solide Grundlage für die Weiterbeauftragung und den Umbau des Platzes.

Der zuständige Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Verkehr hat den Entwurf und die Empfehlung des Preisgerichtes in seiner Sitzung am 25.11.2019 beraten. Das Büro „Greenbox“ wurde mit der weiteren Bearbeitung und Umsetzung ihres Beitrages beauftragt.
Die vollständigen Planungsunterlagen wurden der Bezirksregierung als prüffähiger Förderantrag im Herbst 2020 vorgelegt. Der Start der Umbauarbeiten begann im Februar 2022.


Bis Ende August 2022 wurden die Umbauarbeiten überwiegend abgeschlossen. Die reinen Baukosten (inkl. Bepflanzung) des Projektes betragen ca. 980.000 € und werden zu 70% über Städtebaufördermittel von Bund und Land mitfinanziert.

Die Begrünung der Beete mit Gehölzen wurde ab Ende Oktober 2022 vorgenommen. Besonderes Highlight war dabei die Pflanzung einer neuen, heute schon 9 m hohen Blutbuche. Diese steht in der Tradition der alten, erkrankten Buche, die den Platz über Jahrzehnte geprägt hat.
Die Stadt Rösrath ist froh, mit der bauausführenden Firma Schäfer & Schäfer, Dürrholz einen Partner gefunden zu haben, der nicht nur im Rahmen der Bauphase sehr flexibel und umsichtig auf mögliche Konflikte im Rahmen der Bautätigkeit mit der Bürgerschaft reagierte, sondern auch den ursprünglich angesetzten Zeitrahmen für den Bau sogar unterschritten hat. So war es möglich, den Platz schon für das Stadtfest vom 02. - 04.09.2022 freizugeben und nutzen zu lassen.

Visualisierungen vom Landschaftsarchitekturbüro Greenbox aus Köln, Stand 05/2021

Entwurfsplanung Sülztalplatz

Der Sülztalplatz befindet sich an der Haupteinkaufsstraße in Rösrath und bildet den südlichen Stadteingang. Die bestehende Raumstruktur wird den vielen Nutzungsanforderungen nicht mehr gerecht. Eine flexible Nutzung dieses so wichtigen Platzes ist momentan nicht möglich.
Der Entwurf arbeitet den Sülztalplatz als Treffpunkt für die Gemeinde und als attraktiven Stadteingang heraus. Durch die neue Gestaltung werden die Aufenthaltsqualität und Nutzbarkeit deutlich gesteigert. Durch das Prinzip des „Co-Design“ in Zusammenarbeit mit den Bürgern wird dieser Platz das Herz von Rösrath.

Visualisierungen PDF 21 MB

LageplanPDF 9 MB

Schnitte PDF 340 KB

EntwurfsbroschürePDF 8,9 MB

Mehrfachbeauftragung Sülztalplatz

Im folgenden können Sie sich die Pläne und Erläuterungen zum Siegerentwurf, als auch zu den drei weiteren Entwürfen der Landschaftsplanungsbüros, ansehen.

Siegerentwurf von Greenbox aus Köln

Grundriss PDF 3,4 MB

Perspektiven, Details, Schnitt PDF 5,7 MB

ErläuterungstextPDF 30 KB

Entwurf von [f] landschaftsarchitektur aus Bonn

GrundrissPDF 1,3 MB

Perspektive, Details, Schnitt PDF 1,9 MB

ErläuterungstextPDF 108 KB

Entwurf von die3 landschaftsarchitektur aus Bonn

Grundriss, Schnitt PDF 2,2 MB

Perspektive, Details PDF 4,4 MB

ErläuterungstextPDF 58 KB

Entwurf vom Büro Drecker aus Bottrop-Kirchhellen

Grundriss, Schnitt PDF 4,2 MB

Perspektive, Details PDF 1,6 MB

ErläuterungstextPDF 192 KB

Geschichtliche Entwicklung des Sülztalplatz

Bild: GV Rösrath

Der heutige Sülztalplatz entstand 1929 als Verkehrsfläche bei der Erstellung der Landstraße nach Lohmar. Die Baumaßnahme war nach der Weltwirtschaftskrise als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme durchgeführt worden. Die Luftbildaufnahme zeigt die Situation Anfang der 1930er Jahre: Der Ortskern wird durch eine lockere Bebauung um die Kirche St. Nikolaus sowie einige Häuser im Bereich Bitze und Kissel gebildet. Gut zu erkennen ist die historische Gaststätte „Zur schönen Aussicht“ an der Schmalseite der dreieckigen Grünanlage, eine mit einer niedrigen Hecke gesäumte Wiese zwischen den Zufahrtsarmen der neuen Straße. Auf dem Sülztalplatz ist gerade einmal ein Kraftfahrzeug zu erkennen.



Bild: GV Rösrath

Von Anfang an ist der Platzbereich regelmäßig für Aufzüge und Veranstaltungen genutzt worden. Für das Dorfleben (hier bei einem Maifest in den 1930er Jahren) war die Verbindung zum alten Ortsteil Scharrenbroich noch eine lange Zeit wichtiger als die neue Straße Richtung Köln. An der Einmündung der Scharrenbroicher Straße entstand auch diese Aufnahme. Im Hintergrund befindet sich die Gaststtätte „Zur Schönen Aussicht“, einer der zentralen Treffpunkte von Rösrath.



Bild: GV Rösrath

Am 1. Mai 1933 erhielt der Sülztalplatz bei einem Festakt unter nationalsozialistischen Vorzeichen den Namen „Adolf-Hitler-Platz“. Vermutlich wurde an diesem Tag auch die Blutbuche auf der von den Fahrbahnen umschlossenen Grünfläche gepflanzt (rechts auf der dreieckigen Mittelinsel). Die Aufnahme zeigt den Blick von der Gaststätte „Zur schönen Aussicht“ auf die neue Landstraße in Richtung Menzlingen Mitte der 1930er Jahre. Das Verkehrsaufkommen ist weiterhin sehr überschaubar.



Bild: GV Rösrath

Auch Mitte der 1950er Jahren hat sich das Gesamtbild nicht wesentlich geändert. An der Schmalseite der zentralen Grünfläche ist ein Gehweg angelegt worden, dort lädt eine Bank zum Sitzen ein. Und ein erster Radfahrer erscheint auf der Bildfläche.



Bild: GV Rösrath

Eine Karnevalsszene auf Kopfsteinpflaster im März 1957 – der Sülztalplatz wirkt hier wie eine Fußgängerzone, nicht wie die Kreuzung zweier regionaler Verkehrsachsen. Im Hintergrund ist die neue Tankstelle am nördlichen Zufahrtast zur Sülztalstraße zu erkennen. Dort mündet auch die Straße Im Weidenauel in die Hauptstraße ein.



Bild: GV Rösrath

Ein Bild vermutlich aus den frühen 1960er Jahren. Die Blutbuche ist weiter gewachsen und wird nun von Bänken umstellt. Autos, Fußgänger, Radfahrer und Bäume teilen sich entspannt den Straßenraum. Die Hauptstraße ist (noch) als Vorfahrtstraße ausgeschildert.



Bild: GV Rösrath

Vermutlich zu Beginn der 1970er Jahre erfolgte ein grundlegender Umbau im Zeichen der anlaufenden Motorisierungswelle: Erstmals Asphaltierung und Markierung der Fahrbahnen auf der Landesstraße; den Fußgängerverkehr versucht man mit Zebrastreifen und Fahrbahnteilern zu sichern. Gleichzeitig ist auch die Anlage von Autostellplätzen auf der vormaligen Grünfläche erkennbar. Im Hintergrund nicht sichtbar liegt die Anbindung der Straße Im Weidenauel an die Hauptstraße. Durch den Kreuzungsumbau wird der Schwerpunkt auf die Achse Hauptstraße - Sülztalstraße verlagert: Ein erster Hinweis auf den zunehmenden Kfz-Verkehr aus Richtung Süden, lange vor dem Bau der Anschlussstelle Rösrath.
Anmerkung am Rande: Der Aufdruck „Luftkurort Rösrath“ (den es im Übrigen nie gab) wirkt aus heutiger Sicht unfreiwillig komisch. Er illustriert aber recht plakativ den Wandel von “ländlicher Idylle“ zur beginnenden Massenmotorisierung.



Bild: GV Rösrath

Im Luftbild aus den 1970er Jahren sind die im vorigen Bild beschriebenen Veränderungen noch deutlicher ablesbar: Eine einzige städtebauliche Tristesse in der Ortsmitte. Die Grünfläche ist zugunsten des motorisierten Verkehrs komplett versiegelt worden, einzig die Blutbuche blieb stehen. Erstmalig gibt es mehrere Aufstellspuren in den Zufahrtsästen, Ampeln regeln die verschiedenen Verkehrsströme. Der erste Verkehrsstau (aus Richtung Köln) ist nunmehr auch fotografisch dokumentiert. Dafür sind - Zufall oder auch nicht - keine Radfahrer mehr im Straßenbild zu erkennen.



Bild: Stadt Rösrath

Blick in Richtung Sülztalplatz in den 1980er Jahren: Der Ortskern wird vom Blech überflutet. In Politik und Verwaltung beginnt die Auseinandersetzung mit möglichen verkehrlichen und städtebaulichen Konsequenzen für das Rösrather Ortszentrum und den Sülztalplatz. Planungen für eine Ortsumgehung und die Umgestaltung der Hauptstraße zu einer Fußgängerzone werden angestoßen.



Bild: GV Rösrath

Eine Aufnahme von 1991: Keine Aufenthaltsqualität für Fußgänger, kein Platz für Radfahrer und die Abwicklung des motorisierten Verkehrs am Limit.



Bild: GV Rösrath

Den Stamm der Buche umgibt jetzt ein erhöhter Gitterrost, um ihn gegen Beschädigungen durch rangierende Autos zu schützen. Eine auf dem Rost aufgestellte Sitzbank ist hier letzter Rückzugsort für Fußgänger inmitten des brausenden Autoverkehrs.



Bild: GV Rösrath

Mitte der 1990er Jahre erfolgte nach vorangegangenem städtebaulichen Wettbewerb ein kompletter Umbau des Sülztalplatzes. Hierzu mussten zunächst die Verkehrsflächen im Bereich der Landesstraßen neu geordnet werden. Die Straße Im Weidenauel wurde weiter südlich angebunden, der freie Rechtsabbieger Richtung Hoffnungsthal aufgegeben, um eine für Fußgänger nutzbare größere Aufenthaltsfläche im Ort zu schaffen. Ein damals ebenfalls diskutierter Kreisverkehr wurde nicht realisiert - vor allem weil sonst eine vom Autoverkehr vollständig eingeschlossene leere Platzfläche in der Mitte des Ortes entstanden wäre.



Bild: GV Rösrath

Das Ergebnis war die Schaffung eines zentralen städtischen Ortes mit gestalterischem Anspruch. Dazu diente die Aufhebung der Stellplätze, der Bau einer Einfassungsmauer, die Anlage von Brunnen und Pflanzungen und die Herrichtung für Märkte und Feste. Hinzu kam eine neue Randbebauung als städtebauliche Fassung. Die alte Gaststätte „Zur Schönen Aussicht“ (die inzwischen nicht ohne Grund umbenannt worden war) wurde mitsamt Biergarten und Kastanienbäumen abgeräumt. Der Wandel einer dörflichen Straßenkreuzung in eine völlig vom Autoverkehr dominierte Funktionsfläche und zurück zu einem (immer noch deutlich vom Straßenverkehr geprägten) städtischen Platz war 1995 vorläufig abgeschlossen.



Bild: Stadt Rösrath

Im Zuge einer grundlegenden Straßensanierung ergab sich 2016 die Möglichkeit, auf Hauptstraße und Sülztalplatz erstmalig Flächen für den Radverkehr anzulegen. Gleichzeitig wurden die Fußgängerquerungen verbessert und ein separater Rechtsabbieger Richtung Hoffnungsthal installiert, was für alle Verkehrsteilnehmer deutliche Verbesserungen bewirkte.

Doch da kein Zustand ewig unverändert bleibt, stand ab 2021 ein neuer, grundlegender Umbau des Sülztalplatzes an…



Text: Michael Robie mit Robert Wagner, GV Rösrath

Dienststelle

Stadt Rösrath

Fachbereich 4 Planen, Bauen, Umwelt, Mobilität

Bereich Planen

Leitung Christoph Herrmann

Fon 02205 / 802 400

Fax 02205 / 802 88 400

Christoph.Herrmann@Roesrath.de